„Geschafft, …

… liebe Leserinnen und Leser“


… Sommerpause und Sommerhitze sind überstanden. Alle Lehrer – und vor allen Dingen alle Schüler – freuen sich auf das neue Schuljahr. Aber halt … worüber oder worauf freuen die sich eigentlich? Was muss ich denn in der Tagespresse lesen? Bundesweit fehlen ca. 40.000 (in Worten: vierzigtausend) Lehrer! Wie konnte das passieren? Politische Verantwortung muss glücklicherweise niemand übernehmen, denn es ist schließlich eine gnadenlose Überforderung für einen Bildungspolitiker, anhand von Geburtenstatistiken auszurechnen, wie hoch der Bedarf an Lehrern in ferner Zukunft einmal sein wird. Könnte das der Politiker, wäre er ja schließlich kein Politiker geworden, sondern … Mathelehrer. Da ich mich ja auch ein wenig mit Schülern auskenne, vermute ich vielmehr, dass diese kleinen heimtückischen Biester einfach nicht früh genug Bescheid gegeben haben, dass sie so plötzlich und in so großen Mengen in die Schulen einfallen … wie die Heuschrecken im alten Ägypten …, in der Hoffnung auf hoffnungslos überfüllte Klassen, in denen sie selbst statt des überforderten Lehrers das Regiment übernehmen könnten. Oder sie hoffen auf zahlreiche Unterrichtsausfälle, was ja auch nachvollziehbar wäre, da wir aufgrund des Klimawandels demnächst ab Ende Januar mit Freibad-Wetter zu rechnen haben. Aber, liebe Schüler, ich habe euch durchschaut! Und ich muss euch sagen: Euren Spekulationen liegt ein elementarer Denkfehler zugrunde. Denn schließlich bilden wir uns hier in Deutschland – Pisa hin, Pisa her – eine ganze Menge auf unser hervorragendes Bildungssystem ein. Was soll daraus werden ohne Lehrer? Vielleicht wird es wirklich mehr und mehr zu einem Einbildungs-System. Denn was passiert mit einem Volk von Dichtern und Denkern, wenn kaum noch jemand da ist, der die Grundlage für niveauvolles Denken gewährleistet? Wenn die Lösung des Problems eine riesige Einstellungswelle, ein Einstellungs-Tsunami von Quereinsteigern zu sein scheint? Gewiss, es mag Quereinsteiger geben, die intuitiv genügend pädagogisches Rüstzeug mit sich bringen, um im Schulalltag zu überleben. Aber ich muss bei Quereinstieg immer an den Film „Fack ju Göhte“ denken. Oder die Reaktivierung der Pensionäre … „Rückkehr der lebenden Toten“! Und das macht mir Angst. Denn gerade in der heutigen Zeit ist der Bedarf an jungen Menschen mit Denkvermögen enorm groß, da es offensichtlich nicht mehr viele davon gibt. Also los, liebe Schüler, raus aus den Schulen, rauf auf die Straßen, protestiert, demonstriert, zeigt den Verantwortlichen, dass „me first“ nicht nur beim Chillen und Funhaben angesagt ist, sondern auch beim Lernen! Macht was … damit der Bildungszug nicht ohne euch abfährt!
Wir sehen uns – in der Schule
Euer Uwe Depping

 

 (Glosse 9/18)