Gibt es unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser,

gibt es unter Ihnen Eltern mit schulpflichtigen Kindern? Wenn ja, dann werden Sie verstehen, warum ich neulich beim Lesen der Tagespresse erleichtert aufatmen konnte. Denn in Hagen gibt es Schulen, die sich dazu entschlossen haben, auf ihren Schulhöfen ein generelles Handy-Verbot auszusprechen. Angesichts einer neueren Studie, nach der Jugendliche ca. zehn Stunden täglich im Internet verbringen – meistens über ihr Smartphone –, wurde das ja auch allerhöchste Zeit. Das ist schon Aufgabe der Schule. Wir Eltern können da ja gar nichts machen. Neulich auf dem Elternabend der Klasse meines Sohnes hatte jemand den Vorschlag, den Kindern doch gar nicht erst ein Smartphone zu kaufen. Verstehen Sie? Gar kein Handy kaufen! Wie krank ist das denn? Da kann man sein Kind doch gleich auf eine Waldorfschule schicken! Ich meine, meine Frau und ich sind ja auch ständig mit dem Smartphone im Internet. Aus beruflichen Gründen. Wir leben ja nicht mehr in der Steinzeit. Und wie soll man da seinem Kind einfach kein Handy kaufen können? Das geht doch nicht! Wir sind doch keine Rabeneltern! Und wenn wir nachmittags schön im Wohnzimmer beisammensitzen und alle auf ihre Bildschirme starren, soll ich meinem Sohn da etwa sagen: „Geh‘ mal raus an die frische Luft … spielen“? Ich hab‘s ihm ja neulich mal per WhatsApp geschrieben … weil … wenn ich ihn analog anspreche … also so richtig sprechen, mit Mund aufmachen und so … darauf reagiert er schon lange nicht mehr. Aber mit ‘ner Text-Nachricht, schön mit Smiley und allem Pipapo … das funktioniert. Und er hat tatsächlich sein Handy weggelegt und ist rausgegangen. Nach fünf Minuten war er wieder drin. „Papa, draußen ist niemand!“ Da kann man doch als Eltern wirklich nichts machen! Da saßen wir also wieder im Wohnzimmer, schön Füße auf dem Hocker, und haben uns Text-Nachrichten geschickt, kleine Video-Clips und so. Total harmonisch, das Ganze! Aber irgendwie auch krank, oder? Wie gesagt, höchste Zeit, dass sich die Schule mal um so was kümmert! Wie auch das jetzt mit den Hygiene-Artikeln für Mädchen … also Tampons und Binden und so was für umsonst an Schulen. Finde ich total super! Aber mein Sohn ist nun mal kein Mädchen. Auch irgendwie ungerecht, oder? Als Vater hoffe ich jetzt nur, dass bei ihm recht schnell der Bartwuchs einsetzt. Und wenn es dann nicht augenblicklich kostenfrei Rasierklingen und -schaum an seiner Schule gibt … dann hab‘ ich aber ruckzuck ‘ne Mail an die Diskriminierungsbeauftragte des Bundes auf den Weg gebracht. Fight for your right! Stop mit Diskriminierung! Da müssen wir Eltern doch Vorbild sein. Schließlich haben wir ja Verantwortung!
Verantwortungsvolle Grüße
Ihr Uwe Depping

(Glosse 9/22)