Ich bin ja so erleichtert, liebe Leserinnen und Leser …
… soooo erleichtert! Endlich treten wir ein wenig aus dem dunklen Corona-Tunnel heraus, und schon stehen wir in gleißendem Licht: Deutschland hat nach 15-jähriger Wartezeit endlich wieder ein Sommermärchen! Keine Sorge, ich habe in der Lockdown-Phase keine Online-Schulung in Hellseherei absolviert. Ich weiß nicht, ob Deutschland Europameister wird. Es ist mir auch egal – oder besser noch, ich würde es sogar begrüßen, wenn die deutsche Mannschaft gar nicht erst ins Endspiel käme, seit ich weiß, dass diese Multimillionäre für die bloße Teilnahme am Endspiel 400.000 Euro bekämen. Ein Stundenlohn von ca. 200.000 Euro, der unabhängig von der Leistung gezahlt wird. Team-Manager Oliver Bierhoff, auf die unverschämte Höhe des Lohns angesprochen, findet die Summe allerdings völlig angemessen. Aber zurück zum Sommermärchen: Ich fand es einfach märchenhaft schön, wie geschlossen die Nationalmannschaft im Ungarn-Spiel ihre Verbundenheit mit Homosexuellen und Diversen kundgetan hat. Der Torwart trägt die Kapitänsbinde in Regenbogenfarben, der Torschütze zum 2:2-Ausgleich zeigt mit Daumen und Zeigefingern Herzchen in Richtung des ungarischen homophoben Hooligan-Blocks, vor dem Stadion werden für die Fans nicht National- , sondern Regenbogen-Flaggen verteilt, damit die Welt – und die UEFA (!) – sehen, wie wir mittlerweile auch beim Fußball ticken. Endgültig vorbei die Zeiten, in welchen Profis sagen dürfen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen können“ (so Paul Steiner, ehemaliger Verteidiger des FC Köln) oder Oliver Bierhoff – der schon wieder – sich öffentlich über die Ausstrahlung eines „Tatorts“ („Mord in der ersten Liga“) ärgert, in dem sich ein Fußball-Profi als homosexuell outet. So etwas wollen wir nicht mehr hören! Deutschland ist queer, divers, homosexuell! Auch im Fußball! Diesem Westentaschen-Trump Orban haben wir es tüchtig gezeigt! Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wird im nächsten Bericht kaum noch etwas zu berichten haben. Und den wenigen übriggebliebenen Diskriminierten (Ausländer, Asylsuchende, Juden, Behinderte, Sinti und Roma … habe ich jemanden vergessen? Ach ja – immer noch – Frauen) wollen wir in einem bombastischen Fan-Gesang entgegenschmettern: Werdet queer, divers, homosexuell – und unsere Sympathie ist euch gewiss! Und wenn ich daran denke, dass wir ein Jahr später zur Weihnachtszeit in den Wüsten Katars dem ersten Wintermärchen in der Geschichte des Fußballs entgegen ebern, ist meine Vorfreude grenzenlos. Mein Regenbogen-Trikot hängt schon gebügelt im Kleiderschrank. Die Scheichs da unten werden wir die Einhaltung der Menschenrechte schon lehren!
Inschallah!
Ihr Uwe Depping