Wie leben, liebe Leserinnen und Leser …

… wir leben in Zeiten der Krisen! Klimakrise, Hochwasserkrise, Corona-Krise, Afghanistankrise! Was soll denn noch alles kommen? Mieten kann sich keiner mehr leisten. Benzinpreise? Der helle Wahnsinn! Wenn jetzt noch der Bierpreis steigt … dann radikalisiere ich mich endgültig! Und all das im Monat der Bundestagswahl! Wen soll man denn noch wählen? Jede Partei weiß plötzlich, wie man in der nächsten Legislaturperiode alle Krisen bewältigen kann. Aber wenn alle das wissen … warum hat niemand damit angefangen? Die meisten Krisen gibt es ja nicht erst seit heute. Aber tief in meinem Inneren treibt mich eine andere Frage um: Falls wir in den nächsten Jahren nicht im Hochwasser ertrunken, nicht in den Dürremonaten verdurstet sein werden oder die Omega-Variante die Menschheit dahingerafft hat … was kann ich meinem kleinen Sohn empfehlen, welche berufliche Richtung er einmal einschlagen soll? Wie sieht er aus, der Arbeitsplatz der Zukunft? Denn eines ist ja klar: Je krisengeschüttelter die Welt, desto krisensicherer muss der Beruf sein! Momentan – er ist jetzt vier – möchte er Feuerwehrmann werden. Nicht ungewöhnlich für das Alter. Und wenn man an das denkt, was in diesem Sommer in Südeuropa los war, könnte man sagen: Der Job hat Zukunft. Die Erde wird immer mehr brennen. Ein Job mit Zukunft – aber gefährlich! Weniger gefährlich, aber genauso krisenfest ist eigentlich nur ein einziger Beruf: der Plagiatsjäger! Plagiatsjäger werden immer gebraucht. Denn wir leben in Zeiten, in denen Politikerinnen und Politiker nicht mehr daran bemessen werden, was sie tun. Heute interessiert uns nur noch: Hat jemand etwas geschrieben? Und falls ja: Wo hat er oder sie das abgeschrieben? Und dann schlägt die Stunde des Plagiatsjägers! Seine Jagd-Instinkte sind geweckt, der Geifer trieft die Lefzen herab. Wie zu Steinzeit-Zeiten umkreist der Jäger seine Beute – vorzugsweise eine Doktor-Arbeit – und hat er sie erst in die Enge getrieben … dann hagelt es Speerwürfe und Faustkeil-Hiebe. Der Jäger gibt erst Ruhe, wenn der Doktor-Titel aberkannt wurde. Mein Sohn interessiert sich schon jetzt sehr für die Steinzeit. Und ich habe ihm neulich geraten, er solle im Kindergarten mal darauf achten, wer beim Malen eigene Bilder auf dem Blatt entstehen lässt und wer bei anderen Kindern einfach nur abmalt. Letztere solle er gleich der Erzieherin melden. Das frühe Sensibilisieren für derartige Sachverhalte wird sich später rentieren. Später, in der Grundschule, wird er jedes Kind, das bei einer Klassenarbeit abschreibt, sogleich beim Lehrer anschwärzen. Ich sage ihm eine großartige Karriere voraus. Und das in Zeiten der großen Krisen! Na also … geht doch!

Kommen auch Sie gut durch die Krisen und die Bundestagswahl Ihr Uwe Depping

(Glosse 9/21)