Fragen Sie sich auch manchmal, …

… liebe Leserinnen und Leser …

… fragen Sie sich auch manchmal, was Lehrer – also laut Ex-Kanzler Schröder – was die „faulen Säcke“ in den unendlich langen Wochen der Sommerferien tun? Wahrscheinlich haben sie alle Hände voll zu tun, das im Schlaf verdiente Geld zu zählen. Aber vielleicht macht sich ja der eine oder andere Gedanken um die Zukunft der Schule. Wenn ich mir vorstelle, dass sich Schüler wie Lehrer weiterhin durch die Schuljahre quälen, alle Hoffnung auf das Ende, auf die Sommerferien, auf den Schulabschluss gerichtet … und dass das noch Jahrzehnte so weitergeht, weil es ja schon Jahrhunderte lang so gut gegangen ist … dann macht sich ein zarter Hauch von Frustration breit. Der Schrei nach Digitalisierung ist in meinen Augen nichts als Augenwischerei, denn es fehlt das pädagogische Konzept dahinter. Wir sind ohnehin schon dabei, uns an die Technik zu verkaufen, weil sie mittlerweile vieles viel besser kann als wir Menschen. Jedes Auto mit Einparkhilfe parkt besser ein als meine Frau. (Ich hoffe, sie liest den WIDERHAKEN nicht!) Aber bleiben wir bei den Schulthemen. Muss ich meinen Schülern wirklich noch das Schreiben beibringen? Die Zeitungen sind voll von Berichten darüber, dass diese grundlegende Kulturtechnik für den Großteil unserer Schüler mittlerweile ein Kulturschock ist. Einige meiner Kollegen haben aufgegeben, Rechtschreibung und Zeichensetzung zu korrigieren, weil der Korrekturrand im Heft bei Weitem nicht mehr ausreicht und der Lehrer mehr rote Tinte zum Korrigieren verbrauchen würde als der Schüler blaue für seinen Aufsatz. Es spräche vieles dafür, die Rechtschreibkompetenz auch an die Technik abzugeben – wie das Einparken. Jedem Schüler sein Tablet mit Rechtschreibprogramm! Und wenn ich dann in Aufsätzen über die Weimarer Klassik Sätze wie „Göte und Chiller wahren berümte deutsche Dichta“ lese, dann weiß ich: Nicht der Schüler, sondern das Programm hat versagt. Denn inhaltlich ist die Aussage absolut korrekt. Ja, ich weiß, liebe Leserinnen und Leser … das tut weh! Aber schauen Sie … die sumerische Keilschrift ist untergegangen, die ägyptischen Hieroglyphen benutzt kein Mensch mehr … warum sollte unsere jetzige Schriftsprache „in Stein gemeißelt“ sein? Und wenn ich die gängigen Werke von Goethe und Schiller google, bekomme ich sie auf youtube in unter zehn Minuten pro Drama mit Playmobil-Figuren dargestellt. Wer muss da noch den „Faust“ selbst lesen? Und das reicht oft schon für ein „ausreichend“ im Abi.
Ich finde, wir sollten alle schulischen Kompetenzen an die Technik abgeben. Denn dann könnte ich mich im Unterricht auf das Wesentliche konzentrieren: auf das Zählen der Tage bis zur Rente!

Einen schönen (schulfreien) August wünscht

 

Ihr Uwe Depping

 

 (Glosse 8/19)