„Ich weiß nicht,

liebe Leserinnen und Leser …“


… ich weiß nicht, ob es mal wieder einer Frühjahrs-Depression oder den tatsächlichen gesellschaftlichen Umständen geschuldet ist … aber in letzter Zeit muss ich immer wieder weinen bei der Lektüre der Tagespresse. Vielleicht handelt es sich dabei um eine krankhaft gesteigerte Empathiefähigkeit, denn wenn ich vom Leid anderer lese, bin ich erschüttert wie ein Erdbeben-Tsunami-Opfer. Neulich zum Beispiel … ach, ach ja … der Per hat‘s schwer! In der harten, brutalen Fußballwelt – so stand es geschrieben – litt Per Mertesacker seit Jahrzehnten unter Leistungsdruck, gar unter Versagensängsten, so dass er jetzt endgültig – zum Glück nicht sich selbst – aber doch seine aktive Fußballer-Karriere nach über 500 wichtigen Partien an den Nagel hängen wird. Ein schwacher Trost, zu wissen, dass der Per mit vielleicht nur zehn Partien (das sind 900 Minuten – ohne Pausen natürlich!) so viel Geld verdient hat, wie mancher meiner Leser (mich inbegriffen) in seinem ganzen Leben (das sind etliche Jahrzehnte – auch ohne Pause) nicht wird zusammensparen können. Vielleicht hilft ihm das ja über sein Tief hinweg. Aber richtig brutal traurig wird es, wenn ich von Lilly lese – ich zitiere wörtlich: „Ich habe zu viel getrunken, zu viel geraucht, bin zu viel ausgegangen und habe mich um nichts gekümmert!“ Wie bitter, dass eine junge Frau fast in den Suizid getrieben wird, nur weil gegen ihren Gatten in seiner Londoner Heimat ein Insolvenzverfahren eröffnet werden soll. Stellen Sie sich das doch einmal vor, liebe Leserinnen und Leser, Boris Becker ist pleite. Ja, unser Bobbele, bankrott! Und Lilly muss leiden! Wenn Bobbele in England nun schuldig gesprochen wird und reumütig nach Deutschland zurückkehren sollte … könnte es sein, dass er als Engländer, als Ausländer also, eventuell an der Leimener Tafel keinen Platz bekäme, weil dort nur noch deutsche alleinerziehende Mütter verpflegt werden? Eine solche Schmach würde Lilly nicht überleben! Wie zynisch ist doch angesichts solcher tragischen Einzel-Schicksale die jüngste Diskussion über den Regelsatz von Hartz IV! Wer mit seinen 416 Euro geschickt wirtschaftet, kann es doch sogar schaffen, im Laufe der Jahrzehnte ein kleines Vermögen anzuhäufen. Und immerhin verhindert dieser Regelsatz doch, dass dessen Empfänger Gefahr laufen, – wie die arme Lilly – ihre Sorgen in irgendwelchen Clubs mit Hilfe von Cocktails ersäufen zu müssen. Lassen Sie uns dem armen Jens Spahn also zurufen: „Jawoll, Jens, Hartz IV hat nichts mit Armut zu tun … und die Erde ist eine Scheibe!“ Also Vorsicht, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie beim Ostereierverstecken oder -suchen nicht aus Versehen herunterfallen!
Ihr Osterhase braucht Sie noch!


Einen fröhlichen Frühling wünscht
Ihr Uwe Depping

 (Glosse 4/18)