„Ich weiß ja nicht,

liebe Leserinnen und Leser …“


… ich weiß nicht, wie schnell Sie im Fassen von guten Vorsätzen sind. Ich persönlich habe mich in diesem Jahr nach Ablauf der jecken Zeit etwas schwer getan zu entscheiden, auf was ich nun von Aschermittwoch bis zur Osternacht verzichten soll. Das will schließlich gut überlegt sein, denn bei Entscheidungen, die letztendlich nicht zum persönlichen Lebensstil passen, kann die Zeit sich quälend in die Länge ziehen. Aber Fasten soll schließlich Spaß machen! Manche Menschen sind da ja recht flott bei der Hand, was die inhaltliche Gestaltung der Fastenzeit angeht. Flott, aber nicht sonderlich originell! Dieser übliche Verzicht auf Alkohol, Nikotin, Schokolade, Fleisch … alles schön, gut, ehrenwert … aber eben auch langweilig. Und gefährlich! Bier und Fleisch gehören bekanntermaßen zu den Grundnahrungsmitteln, auf die gänzlich zu verzichten der Gesundheit nicht gerade zuträglich sein dürfte. Deshalb war ich immens froh, bei der Lektüre der Tageszeitung jüngst eine Anregung bekommen zu haben, die mich sofort überzeugte: Ich werde in der Fastenzeit auf Ein- und Zwei-Eurocent-Münzen verzichten. Das Thema scheint laut Zeitungsbericht immer mehr Menschen zu beschäftigen. Grundsätzlich ist die Ein-Cent-Münze ja schon volkswirtschaftlicher Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass die Herstellung eines solchen Dings die Bundesbank 1,65 Cent kostet. Rechnen Sie das mal hoch auf fünf Euro! Wer macht das denn …, sich für 8,25 Euro fünf Euro zu kaufen??? Völlig bekloppt!!! Die Entscheidung, in der Fastenzeit auf diese Münzen konsequent zu verzichten, hat viele positive Aspekte. Auch die Figurbewussten unter uns … und nichts anderes steckt ja hinter dem Verzicht auf Alkohol und Schokolade, als endlich überflüssige Pfunde loszuwerden … also auch die Figurbewussten kämen auf ihre Kosten, da die Geldbörse sozusagen stellvertretend für uns selbst den Entschlackungs- und Verschlankungsprozess durchmacht. Merke: Wer ein schlankes Portemonnaie besitzt, wird selbst für schlank gehalten! Das ist wie mit dem Goldkettchen im stark behaarten Männer-Dekolleté: Ja dicker das Kettchen, desto potenter der Träger! Und wer konsequent die nicht benutzten Münzen zuhause im Einmachglas sammelt, kann nach Ostern noch ein gutes Werk tun und das Geld Bedürftigen spenden, zum Beispiel der Bundeswehr. Einen Leopard-Panzer wird man wahrscheinlich nicht zusammenfasten – aber die verkauft Rheinmetall ja ohnehin lieber an die Saudis oder jetzt, wo Deniz endlich free ist, wieder an die Türken. Doch vielleicht reicht es ja für ein wollenes Leibchen oder ein Paar Schafwollsocken für einen armen Kameraden im Wintereinsatz. Also, wie wär‘s, liebe Leserinnen und Leser … verzichten auch Sie auf die Cents?


Erfolgreiches Fasten wünscht
Ihr Uwe Depping

 (Glosse 3/18)