„Eigentlich, …

… liebe Leserinnen und Leser“


… eigentlich wollte ich im Dezember-Widerhaken einen Text über Weihnachtsmärkte schreiben.  Z. B. darüber, wie idiotisch es ist, dass manche  fürchten, unsere christlich-abendländischen Werte kämen uns abhanden, weil sich Horden muslimischer Migranten hier breit machen, die eine Moschee neben die andere klotzen, die von Osmanen-Gurus eingeweiht werden, und der Muezzin-Ruf mancherorts schon längst das christliche Halleluja angesichts der bevorstehenden Christgeburt übertönt – und andererseits wird über den Weihnachtsmarkt meines Heimatstädtchens in der Lokalpresse berichtet, dass das Riesenrad, das ja schon Tradition habe, mit allen (finanziellen) Mitteln an den Standort gebunden werden muss, wie toll es sei, dass es dem Markt-Manager gelungen ist, den Coca-Cola-Weihnachtstruck nach Hagen zu locken, der unmittelbar nach seiner Ankunft ein ganzes Weihnachtsdorf auf dem Kirchplatz um sich herum entstehen lässt, in welchem Santa Claus mit den Young Gospel Singers auf der Bühne die Sau rauslässt und, das Wichtigste zum Schluss, die Besucher im Merchandise-Zelt „tolle Dinge“ kaufen können. Nebenan gibt es die „Weihnachtsfabrik“, ein „Spiel- und Spaß-Irrgarten für Kinder“. Während ich mir die hochschwangere Maria vorstelle, die im rotlackierten Truck in Betlehem einfährt, den jubelnden, im Garten vor sich hin irrenden Kindern mit einem Glas Cola zuprostet, wird mir schlagartig klar: Wir brauchen nicht einen einzigen Moslem, um unsere christlich-abendländischen Werte zu verraten. Niemand kann das besser als wir selbst. Wie gesagt … eigentlich hätte ich gern über dieses Thema geschrieben. Aber dann höre ich heute auf dem Weg zur Arbeit im Radio einen Bericht über Menschen, die neben ihrem Hauptberuf noch zwei bis drei weitere Nebenjobs ausüben müssen, um ihr Überleben zu sichern, um sich mal einen Urlaub oder ihren Kindern die geplante Klassenfahrt finanzieren zu können. Und nach der Arbeit lese ich in der Zeitung – ich hoffe, die Lokalpresse hat hier korrekt recherchiert – dass der Ex-Chef von Thyssenkrupp an Gehalt für das Geschäftsjahr 2017/18 plus Abfindung, weil er in Rente geht, plus betrieblicher Altersvorsorge über 20 (in Worten: zwanzig) Millionen Euro erhält. Und plötzlich kann ich verstehen, dass Friedrich Merz, eventueller Merkel-Nachfolger, sich mit seinen schäbigen paar Millionen auf dem Konto nur zur „gehobenen Mittelschicht“ zählt. Und ich fühle Wut in mir aufsteigen, weil ich spüre, dass die christlich geprägte Metapher vom Kamel, dass locker durch das Nadelöhr flutscht, nichts hilft, da es solchen Typen wahrscheinlich am vergoldeten Arsch vorbeigeht, ob sie jemals ins Himmelreich kommen.

Trotz allem – Ihnen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit
Ihr Uwe Depping

 

 (Glosse 12/18)