Ja, ja, aufmerksame WIDERHAKEN-Leserinnen und -Leser wissen es …
… sie wissen es: November-Zeit ist Depri-Zeit! Der Kalender zwingt es einem auf: Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag … da knickt selbst die stabilste Frohnatur ein! Und noch aufmerksamere HAKEN-Leserinnen und -Leser werden sich erinnern: Wir haben Ihnen in der September- bzw. Oktober-Ausgabe bereits vorbeugend das Büchlein „Natürliche Antidepressiva“ von Dr. Wormer empfohlen. Das wäre unter normalen Umständen auch völlig ausreichend. Aber so viele Heilkräuter oder Heilpilze wie ich bräuchte, kann ich mir gar nicht verabreichen – denn wir leben nicht „unter normalen Umständen“! Klimawandel – die Erde brannte im Sommer; jetzt im Herbst ertrinkt sie in Unwettern und Überschwemmungen. Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ist zwingend notwendig – und zwar gestern.
Doch dann kommt ein größenwahnsinniger Zar daher, überfällt den Nachbarn, dreht dem Rest Europas den Gashahn zu … und Politiker aller Couleur jetten in der Weltgeschichte umher, um anderswo fossile Brennstoffe zu ergattern. Und da ist es völlig egal, ob potenzielle Lieferanten Despoten sind, die Journalisten töten und, in Teppiche gewickelt, verschwinden lassen. Für billiges Gas bekommen sie sogar unser Bestes, herrlich blitzende, präzise schießende Kriegswaffen. Denn solange wir im Winter schön im Warmen sitzen, kann man leise „böse, böse“ murmeln, wenn im Jemen unzählige Kinder verhungern, aber dann schnell umschalten ins Sportstudio zur WM in Quatar! Oh bitte … Dr. Wormer … egal, ob natürlich oder Chemo-Keule … ich brauche jetzt Antidepressiva! Höchst-Dosis! Oder nein, doch nicht! Ich habe neulich im therapeutischen Workshop gelernt: Wenn man glaubt, es geht gar nichts mehr, hilft die Umwertung der Dinge, schlichter formuliert: Versuche, aus Scheiße Gold zu machen. Beispiel: Die Zeiten sind miserabel … aber nie war es einfacher, einem Tyrannen die Stirn zu bieten. Die Temperaturen gehen auf den Gefrierpunkt zu … aber meine Heizung bleibt aus! Und mit jedem weiteren Woll-Leibchen, das ich morgens mit klammen Fingern aus dem Kleiderschrank zerre (Stichwort „Zwiebel-Style“), brülle ich triumphierend: „Nimm das, Putin … und das … und das!“. Aber schon steht das nächste Problem in Gestalt meiner Liebsten im Türrahmen, die aufgrund ihrer mediterranen Herkunft ohnehin nie mit unserem heimischen Winterwetter warm geworden ist. Sie droht mir an, meinen Schreibtisch im Arbeitszimmer in ein wärmendes Lagerfeuer zu verwandeln, wenn ich nicht augenblicklich die Heizung hochfahre – und eiskalt feuert sie mir das Buch von Dr. Wormer vor die Füße.
Also doch lieber Heilpilz statt „Heizpilz im Arbeitszimmer“ – wenn ich eine besinnliche Adventszeit haben möchte … die ich Ihnen gleichfalls wünsche!

Ihr Uwe Depping

(Glosse 11/22)