„Geschafft, …

… liebe Leserinnen und Leser“


… endlich ist es geschafft. Nach den letzten hochsommerlich heißen Septembertagen dürfen wir uns endgültig auf kühlere Tage und noch kühlere Nächte im Oktober freuen. Und das ist gut so. Nicht, weil ich das grau-dunkle, frost-kalte und matschig-feuchte Herbstwetter so mag, aber gut, weil ich endlich kein schlechtes Gewissen mehr haben muss. Denn diese niederschlagslosen 30-Grad-und-drüber-Tage haben dafür gesorgt, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, ob es nicht doch den Klimawandel geben könnte. Immerhin hatte er direkt nach der Sommerpause den Weg ins Anne-Will-Studio geschafft. Aber jetzt, wo es kälter wird und die Hitze die Hirnaktivität nicht mehr einschränkt, wird klar: alles Fake-News! Und man kann wieder richtig Gas geben. Profit-orientierte Reiseunternehmen sollen mich wieder offensiv für Kreuzfahrten anwerben. Scheiß auf Verdi-Oper! Aida ist Freizeit auf dem Sonnendeck, Triumphmarsch des Tourismus, egal, was aus dem Schornstein qualmt. Und wenn es zu meinem persönlichen Lebensstil gehört, mit einem Geländewagen auf den Autobahnen herumzubrettern, bei Stau schön mit Lichthupe durch die Rettungsgasse, falls die Idioten vor mir nicht vergessen haben, eine zu bilden, dann möchte ich das, verdammt noch mal, weiterhin tun dürfen. Persönliche Freiheit! Ist mir schließlich laut Grundgesetz zugesichert. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Kohlendioxid-Belastung, liebe Leser und Leserinnen! Haben Sie mal darüber nachgedacht, was es für die Umwelt bedeutet, wenn der ganze Hambacher Forst plötzlich in Flammen stünde? Das wäre doch wohl eine Umwelt-Katastrophe! Nur gut, dass man rechtzeitig bemerkt hat, dass in den ganzen verdreckten Baumhöhlen dieser Öko-Terroristen nicht ein einziger Rauchmelder installiert war. Wurde höchste Zeit, dass da jetzt aufgeräumt wird! Weg mit den Bäumen! Ich erinnere gern an die letzten Worte eines alten Indianer-Häuptlings: Erst wenn ihr den letzten Baum abgeholzt habt, werdet ihr merken, dass die neuen 100- und 200-Euro-Noten der EZB durchaus genießbar sind. Aber jetzt halten Sie mich bitte nicht für einen Gegner des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen, liebe Leser. Ich sage nur: Jeder Staat soll auf dem Gebiet nachhaltig sein, auf dem er gut ist. Deutschlands beste Ressource ist eben mehr geistiger Natur. Und da wird gewiss nicht mehr abgebaut als nachwachsen kann. Sachsen, das Hauptanbaugebiet dieses geistigen Rohstoffes, zeigt der Welt gerade, wie schonend wir Deutschen damit umgehen. Bis in die höchsten politischen Ämter ist das ein Herzensanliegen. Alles andere wäre Lügenpresse! Helfen auch Sie, unseren wichtigsten Rohstoff zu schützen. Der Verfassungsschutz wird es Ihnen danken!
Mit nachhaltigem Gruß
Ihr Uwe Depping

 

 (Glosse 10/18)