Am 3. Oktober, liebe Leserinnen und Leser,

am 3. Oktober wird mir regelmäßig warm ums Herz, wenn ich an den großen historischen Tag der Wiedervereinigung denke. Ich erinnere mich an Zeiten, da ich als Schüler auf Klassenfahrt nach Berlin gefahren bin, während der Fahrt über die Transit-Strecke aus dem Zugfenster die Deutsche Demokratische Republik anstaunte, und, kaum in der Metropole angekommen, der Besuch in Ostberlin obligatorisch war. Fremdes Geld in den Händen, aber wir konnten nicht wirklich etwas damit kaufen, weil es nichts gab, was man hätte kaufen wollen. Und jetzt, seit 32 Jahren: Deutschland – einig Vaterland! Überwältigend! Aber dennoch, ein einig Volk sind wir schon lange nicht mehr. Und das hat nichts mit BRD- oder DDR-Vergangenheit zu tun. Unsere Gesellschaft bricht angesichts der vielen Krisen auseinander. Wir sind gespalten wie nie zuvor. Corona-Leugner, Klimawandel-Leugner, Querdenker, Reichsbürger, Politiker-Hasser, die Spaltung in Arm und Reich entwickelt sich so, wie man es aus Entwicklungsländern kennt. Manche wenige jetten im Privatjet nach Sylt, viele andere leben im Dreck.
Und wenn ich dann über den Kanal nach good old England schaue … auch das überwältigend! Ein ganzes Volk vereint in der Trauer um die Queen. Tagelang stehen Menschen in kilometerlangen Warteschlangen, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Das ist es doch, was uns in Deutschland fehlt: Back to the roots! In Deutschland hat es immer Könige und Kaiser gegeben, nur seit dem letzten Jahrhundert nicht mehr. Zurück zur Monarchie! Wir brauchen eine Königin! Eine Königin, die uns endlich wieder alle vereint, zu der wir aufblicken können, auf die wir alle stolz sein können. Aber wer könnte das sein? Vor 104 Jahren hat der letzte Monarch Deutschlands abgedankt. Wo soll da so schnell eine neue Königin herkommen? Hätte Angela Merkel das Zeug dazu gehabt? Blazer, Perlenkette, Raute … das alles hätte sicherlich mit einer Krone auf ihrem Haupt prächtig harmonieren können. Aber irgendetwas hätte doch gefehlt. Wer also könnte es schaffen, ganz Deutschland hinter sich zu vereinen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Helene Fischer! Sie hat schon die ganze Nation mit ihrem Babybäuchlein in Verzückung versetzt. Und bei ihrem letzten Konzert hat es die Königin der Herzen geschafft, 130.000 Fans zu begeistern – während andere Kulturschaffende mal von der Hand im Mund leben, mal am Hungertuche nagen. Aber lassen Sie uns diesen Ärmsten zurufen: Lasst euch umschulen … umschulen zu Lakaien der Königin, denn derer wird sie bald zuhauf bedürfen. Und lasst uns den Politikern zurufen: Hebt Helene Fischer nicht nur in den Bühnenhimmel, sondern in den Adelsstand, auf dass wir sie zur Königin werden krönen können! God save our queen!
Untertänigst
Ihr Uwe Depping

(Glosse 10/22)