Die waren nicht schlecht, liebe Leserinnen und Leser …

… die waren echt nicht schlecht, die alten Griechen. Ich meine jetzt nicht die beiden Alten, die im Saloniki-Grill immer die Korfu-Platte servieren. Die sind auch nicht schlecht, vor allem, weil sie vor UND nach dem Essen einen Ouzo bringen. Aber ich meinte jetzt wirklich die ganz alten, die antiken Griechen, die uns so schöne Dinge wie das Theater geschenkt haben. Klar, natürlich wissen wir heute nicht mehr so ganz genau, welche Probleme König Ödipus eigentlich quälten. Aber – dank Sigmund Freud – wissen wir zumindest, dass es irgendetwas mit seiner Mutter zu tun hatte. Kann man ja mal googeln. Oder auch nicht. Denn viel interessanter ist ja ein anderes Geschenk, das uns die antiken Griechen gemacht haben: die Demokratie! Und an diesem Geschenk haben wir bis heute ganz schön zu knacken. Denn die Macht, die vom Volke ausgeht, ist nicht nur schön, sondern auch verdammt anstrengend. Insbesondere für das fernseh-schauende Volk! Ich weiß gar nicht, durch wieviele Wahlsendungen ich mich im September quälen musste. „Klartext, Frau Baerbock“, „Hallo, Herr Scholz“, „Wie isset, Herr Laschet?“, dann unzählige Wahl-Arenen mit ihren Duellen, Triellen, Quartellen. Dann die üblichen Plaudertaschen (Lanz und co.), die das alles noch mit ihren Gästen analysiert und diskutiert haben. In vier Jahren werden wahrscheinlich die Privatsender noch intensiver ins Thema einsteigen mit „Die Kanzlerette“, „Kanzler-Camp“ oder „Deutschland sucht den Super-Kanzler“. Und Koalitionen werden nach der Wahl bei „Kanzler sucht Frau/Mann/Diverse“ gebildet. Und das soll zur demokratischen Meinungsbildung beitragen? Das Gegenteil ist der Fall! Ich hätte mir so manches Mal einen Programm-Diktator gewünscht, der gesagt hätte: „Schluss mit dem Gequasel!“ Dann schon lieber einen alten „Tatort“ in ich-weiß-nicht-wievielter Wiederholung. Letztendlich habe ich von meinem Recht Gebrauch gemacht – denn auch das ist in einer Demokratie möglich: Ich habe das Ding einfach ausgeschaltet. In einer Demokratie bin ich der Alleinherrscher über mein Fernsehgerät. Und wenn der Bildschirm dunkel bleibt, kann man – wenn man Glück hat – das eigene Hirn wieder arbeiten spüren. Ich habe mich zu fragen begonnen, warum wohl gerade jetzt, wo Angela Merkel definitiv nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung steht, im Polit-Barometer ihre Beliebtheitswerte die aller anderen Kandidaten bei Weitem übertreffen. Ist Mutti doch die Beste? Mutti??? Habe ich gerade wirklich „Mutti“ geschrieben? Verzeihung … das muss unbewusst geschehen sein! Jetzt googel ich das aber doch mal schnell … das mit dem Ödipus!
Die alten Griechen sind nicht schlecht! Wirklich nicht!
Darauf einen doppelten Ouzo!
Ihr Uwe Depping

 (Glosse 10/21)