Ich war in meiner Jugend,

liebe Leserinnen und Leser …

… ich war ein Freund vom Schnitzel, mit viel Pilzsauce darüber. Lecker! Aber erst jetzt, in Zeiten der politischen Korrektheit, weiß ich, was ich damals angerichtet habe. Durch meine Bestellung im Schnellimbiss meines damaligen Vertrauens habe ich – typisch männlich – dazu beigetragen, die weiblichen Angehörigen eines Berufsstandes zu verunglimpfen. Deswegen möchte ich an dieser Stel- le alle Jägerinnen unter meinen Leserinnen und Lesern um Verzeihung bitten. Verzeiht mir, dass ich damals im jugendlichen Unverstand ein „Jägerschnitzel“ mit „Jägersauce“ bestellt habe, ohne zuvor geprü zu haben, ob das Schwein nicht vielleicht auch von einer Jägerin gejagt und erlegt worden ist. Angeregt zu dieser Sprach-Sensibilität hat mich der bekannte Grill-Saucen-Hersteller Knorr. Ich verneige mich vor der moralischen Größe, die der Konzern dadurch zeigt, dass er auf den Begri „Zigeunersauce“ verzichten und stattdessen „Pa- prikasauce ungarischer Art“ auf die Banderolen drucken lassen möchte. Und ich ho e, liebe Jägerinnen, dass auch der Begri „Jägersauce“ bald in der Versen- kung verschwindet zugunsten der geschlechtsneutralen Bezeichnung „Pilzsau- ce heimischer Art“. Doch kaum ist ein Problem gelöst, steht das nächste vor der Tür. „Paprikasauce ungarischer Art“? Ungarn … ist das nicht dieses EU-Land, in welchem ein Victor Orbán o en seine Fremdenfeindlichkeit zum politischen Programm erklärt? Möchte ich aus diesem Land eine Paprikasauce auf meinem Schnitzel haben? Und überhaupt … Schnitzel … hat uns nicht gerade erst der größte und reichste Schnitzelmacher der Republik in Rheda-Wiedenbrück ge- zeigt, wie man mit modernen Arbeitsverträgen Zigeu… äh Verzeihung … Un- garn, Rumänen, Bulgaren versklavt? Diese „armen Schweine“ machen aus an- deren armen Schweinen unsere Schnitzel, die wir jedes Wochenende auf unsere Hochleistungsgrills legen, dann „Paprikasauce ungarischer Art“ darüber, denn wir politisch Korrekten wollen keine „Zigeunersauce“! Da schmeckt das Schnit- zel doch nicht mehr, wenn wir beim Kauen stets die Bilder der versklavten Sinti und Roma, zusammengepfercht in ihren Werkswohnungen, vor Augen haben müssten. Aus demselben Grund essen wir ja zum Nachtisch schon lange keine Negerküsse mehr, der Sarotti-Mohr hat gleichfalls ausgedient, wie nun auch die „Mohrenstraße“ in Berlin. Dass deutsche Investoren, rechtlich geschützt – Glo- balisierung sei Dank – immer noch in Afrika moderne Sklaverei betreiben, ist ja in Ordnung. Hauptsache, hier sagt niemand mohr „Mehr“ … ähh … niemand mehr „Mohr“! Denn Diskriminierung in Deutschland – nie wieder, liebe Lese- rinnen und Leser! Nicht einmal Jägerinnen gegenüber!

Waidfrausheil

 

Ihr Uwe Depping

 

(Glosse 9/20)