Ich stoße so langsam, …

… liebe Leserinnen und Leser …

… ich stoße so langsam wirklich an meine Grenzen. Worüber soll ich hier noch schreiben? Das einzige Thema der letzten Wochen in Presse, Fernsehen, sonstwo: Klimawandel! Ja, zugegeben, es ist richtig, dass dieses Thema eine solche Präsenz hat. Aber man muss doch auch mal – wenn auch CO2-geschwängert – durchatmen können ohne dieses Thema. Worüber also schreiben? Darüber, dass Renate Künast sich mit richterlicher Absicherung als „nein, das zitier‘ ich hier nicht“ bezeichnen lassen muss? Aber hate speech hatten wir ja bereits im September-Widerhaken! Was also gibt es noch? 30 Jahre deutsche Einheit! Och nööö … dann würden wir ja doch wieder bei der Klimawandel-Leugner-Partei im Osten landen. Wie wär‘s denn mit … jaaa, das hatten wir noch nie … 100 Jahren Waldorfschule! Mediale Aufmerksamkeit garantiert! Sonst hätte Caren Miosga nicht in den tagesthemen über diese erfolgreiche Alternative zum staatlichen Schulsystem berichtet. Doch kaum war der ARD-Bericht ausgestrahlt, hagelte es schon massive Kritik von den Waldorf-Gegnern. Wie könne ein öffentlich-rechtlicher Sender nur eine Schulform loben, deren Gründer in Frage stelle, dass der Mensch vom Affen abstamme … der sogar behaupte, der Affe stamme vom Menschen ab! Mal ganz im Ernst, liebe Leserinnen und Leser, wenn ich heute in die Welt schaue und sehe, wer in der Öffentlichkeit ständig nach Aufmerksamkeit schreit … dann finde ich diese Theorie sogar sympathisch! Und dann sei Rudolf Steiner (der Schulgründer) ja auch noch ein Rassist übelster Sorte gewesen! Wenn das so wäre … dann könnten die Schulen doch in Zeiten allgemeinen Lehrermangels bei oben genannter Klimawandel-Leugner-Partei zuhauf Gastlehrer rekrutieren. Es wäre doch fabelhaft, wenn Geschichtslehrer Bernd Höcke über den ‚afrikanischen Ausbreitungstyp‘ (O-Ton Höcke) dozieren würde und die Schüler über die Unterlegenheit dieses ‚Typen‘ Hausaufgaben anfertigen könnten. Oder Andreas Kalbitz, der sich in diversen Pfingstlagern als Liebhaber gestählter heimattreuer Jugendkörper erwiesen hat, könnte als Sport-, wenn nicht gar als Eurythmie-Lehrer anheuern. Dann wäre bald Schluss mit der Verfettung der Jugend, die die Krankenkassen so beklagen. Denn diese Lehrer wüssten: „Der deutsche Junge muss schlank und rank sein, flink wie …“ (O-Ton … ja von wem denn? Höcke? Kalbitz? Oder wer war das doch gleich?) Aber stellt man sich so eine Waldorfschule vor? Sind die ‚Waldis‘ wirklich Rassisten? Eine schwierige Frage in Zeiten, wo die wahren Rassisten sich im Deckmäntelchen der Bürgernähe zu verbergen versuchen. Besuchen Sie einfach die Waldorfschule Hagen (liegt gleich um die Ecke) am 4. und 5. Oktober zur 100-Jahr-Feier und machen Sie sich Ihr eigenes Bild.

Ihr Uwe Depping

 

(Glosse 10/19)