Sind Sie auch so gespannt, liebe Leserinnen und Leser …

… sind Sie auch so gespannt darauf, wie unsere neue Bundesregierung im neuen Jahr mehr Fortschritt wagen wird? Manch ein Regierungsmitglied wagt ihn bislang ja doch eher verhalten. Seit Karl Lauterbach die Fliege ab- und den Ministerposten angenommen hat, ist er für meinen Geschmack etwas verzagt. Sein Vorschlag, den Karneval auf die Sommermonate zu verschieben, war doch eher halbherzig und bekam entsprechend Gegenwind von der Schunkel-Lobby. Hier hätte ich mir schon etwas mehr Mut gewünscht, was den Umgang mit traditionellen Feiertagen angeht. Also mal ehrlich, liebe Leserinnen und Leser, in Theologen-Kreisen ist man sich ziemlich sicher, dass der 24.12. nicht der Geburtstag des historischen Jesus ist, ja man ist sich sogar gar nicht sicher, ob es einen Jesus, so wie wir ihn aus der Bibel kennen, überhaupt gegeben hat. Hinzu kommt, dass Olaf Scholz, Robert Habeck und Christian Lindner bekanntermaßen konfessionslos sind und damit den Großteil der Gesellschaft abbilden, die mit Religion nicht mehr allzu viel anfangen kann. Da kann man doch mal etwas innovativer mit den Feiertagen umgehen! Mir hätte gefallen, Karneval nicht in den Sommer verlegen zu wollen, sondern grundsätzlich abzuschaffen. Dafür könnte man am 1. Januar das Jahr gleich mit dem Aschermittwoch beginnen und die Fastenzeit bis zum 30. Dezember ausdehnen. 364 Tage im Jahr fasten – das wäre sicherlich ein Gewinn für die Gesundheit, von dem ein Gesundheitsminister träumen würde. Am 31.12. könnte man dann morgens kurz Ostern (Ende der Fastenzeit) mit einem Frühschoppen feiern, mittags direkt mit Pfingsten weitermachen (feiert ja eh‘ keiner mehr, so dass Pfingsten in die Zeit des Mittagsschlafes fallen würde), nachmittags dann Heiligabend und Weihnachten, und am Abend Silvester – natürlich ohne Böller und Feuerwerk. Was wiederum die Notfall-Chirurgen fröhlich stimmen würde, da sie sich dann in der Neujahrsnacht nicht mehr um abgerissene Gliedmaßen kümmern müssten. Und wir, die wir keine Böller mehr schmeißen dürfen, könnten uns in dieser Nacht auf unseren Balkone einfinden, im Vollbesitz unseres Augenlichts und unserer beiden Hände, und könnten den Chirurgen und dem Pflegepersonal mit frenetischem Applaus Dank dafür zollen, dass sie sich auch in dieser Nacht darauf konzentrieren, den umgeimpften Covid-Patienten das Leben zu retten. Applaus statt Böller … und mit etwas Übung bekommt man bestimmt eine „La Ola“-Welle von Balkon zu Balkon hin. Wer braucht da noch diese unsägliche Karnevals-Schunkelei? Das wäre doch mal eine Feiertags-Planung, die die Bezeichnung „Fortschritt“ verdient hätte!
Also, liebe Leserinnen und Leser … schwappen Sie gut rein in unsere neue Fastenzeit!
Ihr Uwe Depping

(Glosse 1/22)