Ich weiß, liebe Leserinnen und Leser …
… ich weiß … die Weihnachts- und Bastelzeit ist vorüber. Lassen Sie mich Ihnen dennoch eine kleine Bastel-Anleitung nachreichen: Holen Sie sich bitte aus dem Altpapier die letzte Print-Ausgabe des HAKEN – das müsste die Dezember-Ausgabe 2020 sein! Blättern Sie ihn auf und halten Sie das Heft ca. drei cm vor ihr Gesicht (die Nase sollte den Knick in der Heftmitte fast berühren können)! Prägen Sie sich gut ein, wo in etwa Ihre Augen wären, würden Sie sich den HAKEN auf‘s Gesicht legen! Nehmen Sie ihn nun herunter und schneiden Sie mit einer spitzen Schere exakt dort zwei Augenlöcher aus! Nehmen Sie nun bitte wieder die Print-Ausgabe hoch und schauen Sie durch die Augenlöcher auf den Bildschirm! Und? Was merken Sie? Es ist alles wie immer …, als hielten Sie die aktuelle Januar-Print-Ausgabe in der Hand! Nur dieses Mal ist das Lesen noch bequemer, da Sie die aufwändige Muskelarbeit beim Seitenumblättern eintauschen gegen einen kleinen, zarten Maus-Klick. Das Jahr beginnt also mit Energiesparen! Stattdessen könnten Sie ja einmal öfter zum Kühlschrank gehen und ein Bier holen! Wie bitte? Sie trinken gar kein Bier? Und es ist auch nicht alles wie immer??? Was soll ich sagen … ja … Sie haben Recht! Nichts ist wie immer! Den Januar-HAKEN gibt es nicht gedruckt, sondern nur online. Es gibt ja auch keine Kultur mehr. Theater, Konzertsäle, Kleinkunst-Bühnen, Museen … alles geschlossen! Und selbst wenn es sie gäbe: Wie sollte eine Kultur-Zeitung verteilt werden, wenn alle Verteilerstellen geschlossen sind? Da bleibt uns nur noch eines: Wir konzentrieren uns auf die gepflegte Trink- und Ess-Kultur während der Feiertage! Aber auch damit sieht es finster aus. Im Getränke-Markt meines Vertrauens ist es mir aufgefallen: Nicht etwa die traditionsreichen deutschen Braukunst-Produkte stehen ganz vorn als Blickfang … sondern … la cerveza más fina de México … und das nur, weil es diesen Namen trägt, der uns seit fast einem Jahr zur Verzweiflung bringt: CORONA!!!! Denn mit Kultur hat das ja nun wirklich nichts zu tun … aus Mais Bier zu brauen. Auch wenn es angeblich die Azteken schon taten. Und auch wenn emsige Archäologen unlängst in Pompeji herausfanden, dass es schon vor dem Ausbruch des Vesuv (also vor dem Jahre 79 nach Chr.) Fast-Food-Restaurants gab – mit Leckerbissen wie „Huhn am Stock“ oder „Ziege to go“. Das hat nichts mit Kultur zu tun! Stellen Sie sich bitte vor, in 2000 Jahren ist das, was von deutscher Esskultur unseren Nachkommen in Erinnerung geblieben ist … ein BigMac! Und dazu eine Flasche Corona-Mais-Bier! Dann schon lieber Würstchen, Kartoffelsalat und ein ordentliches, nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebrautes Bier! Das kann uns kein Virus nehmen!
Prost … und einen guten Jahres-Einstieg wünscht
Ihr Uwe Depping

(Glosse 1/2021)