„Ich weiß ja nicht,

liebe Leserinnen und Leser …“


… mit welcher Perspektive Sie auf das neue Jahr blicken. Aber ich weiß, dass es ein Jahr voller Entbehrungen wird. Zumindest für den Großteil der Bevölkerung. Klar, der deutschen Wirtschaft geht es gut wie nie, aber wir Normalbürger haben nichts davon. Der Armutsbericht der Bundesregierung weist seit Jahren darauf hin, dass der Unterschied zwischen Arm und Reich immer größer wird. Aber außer, dass sie darüber berichtet, können wir von der Regierung auch im Jahre 2018 nichts erwarten. Wir dürfen ja froh sein, wenn wir überhaupt eine Regierung 2018 bekommen. Dass sie dann noch an diesem brisanten Thema arbeitet, das wäre echt zuviel verlangt! Und wenn ich sehe, dass z. B. ein Siemens-Chef einerseits Werke schließt und Tausenden von Mitarbeitern eine Hartz-IV-Karriere beschert, andererseits aber ca. 7 Mio. Euro jährlich verdient, und die Politik hilflos dabei zuschaut, vermute ich, dass eine Arbeit an diesem Thema gar nicht gewollt ist. „Soziale Marktwirtschaft“ sieht anders aus. Vielleicht könnte man ja, während die Politik mit Sondierungs- und Koalitionsgesprächen völlig überlastet ist, wenigstens im sportlichen Bereich dieses Thema aufgreifen. Könnte das Internationale Olympische Komitee nicht kreativ mit der auseinander driftenden Schere von Arm und Reich umgehen, indem es aus der Not eine Tugend bzw. neue olympische Sportarten kreiert? Könnten 2018 in Pyeongchang neben Abfahrts- und Slalomläufen, dem Skispringen etc. nicht erstmalig auch Wettbewerbe in den Disziplinen „Den-Gürtel-enger-Schnallen“, „Am-Stock-Gehen“ und „Auf-dem-Zahnfleisch-Kriechen“ ausgetragen werden? Wenn die Loipen ohnehin für die Ski-Langläufer gespurt werden, warum könnten sie nicht auch von den Auf-dem-Zahnfleisch-Kriechern benutzt werden? Ich könnte mir spannende Wettkämpfe gerade in dieser Disziplin vorstellen, die von den Athleten nicht nur enorme Ausdauer, sondern auch auf Höchstleistung trainierte Kiefermuskulatur verlangt. Freilich … die Sieger-Treppchen würden die Medaillen-Gewinner nicht mehr hochkommen. Die müssten „barrierefrei“ gestaltet werden. In den nächsten Sommerspielen würden dann die Im-Geld-Schwimmer ihren Teil dazu beitragen, dass der Sport ein Abbild der gesellschaftlichen Zustände zeigt. Joe Kaeser (Siemens-Vorstansdschef) wäre zur Zeit mein Favorit im nationalen Bereich. Ob er allerdings im internationalen Wettkampf gegen Größen wie Mark Zuckerberg oder Bill Gates Chancen hätte, ist natürlich fraglich. Aber es kommt ja nicht nur auf die Menge des Geldes an, in dem geschwommen wird. Stil und Haltung werden ebenfalls mit bewertet. Und Haltung hat er ja.
Dass Sie, liebe Leser, im kommenden Jahr nicht auf dem Zahnfleisch kriechen müssen, wünscht
Ihr Uwe Depping

 (Glosse 1/18)