Jeden Monat verfasst Uwe Depping exklusiv für den HAKEN eine Glosse zu einem aktuellen Thema

oder einem, das ihm unter den Nägeln brennt.

Steckbrief

Name: Uwe Depping
Alter: im Besten
Familienstand: unverheiratet, zwei Töchter, ein Sohn
Beruf: Besserwisser (also Lehrer); nebenberufl. als WIDERHAKEN tätig
Wenn ich mal gerade nichts besser zu wissen habe: Sport, lesen, schreiben, fernsehen
Lieblingsessen: alles Mögliche aus dem Meer (nur kein Plastikmüll)
Lieblingsgetränk: Radler (aber ohne diese Limonade)

Viel Spaß beim Lesen des WIDERHAKEN der aktuellen Ausgabe!

Seit Anfang des Jahres, …

… liebe Leserinnen und Leser …


… seit Anfang des Jahres müssen politisch korrekte Eltern auf der Hut sein, was sie mit ihren Kindern singen dürfen. Ist die im Hühnerstall fahrende Oma eine miese Umweltsau? Eine fiese Tierquälerin? Oder doch nur ein hipper Motorsport-Fan, der im Alter noch einmal richtig die Sau, Verzeihung: das Huhn rauslassen möchte? Ansichtssache! Aber was ist mit diesen drei Männern, die auf der Straße sitzen und am Kontrabass zupfen? Angesichts der bedrohlichen Situation der Weltgesundheit ist das auf jeden Fall ein Fall für die Polizei! Und für die Gesundheitsbehörde! Wenn nicht gar für den Militärischen Abschirmdienst! Denn diese drei Herren werden vom Corona-Virus befallen sein (Wen wundert‘s bei der chinesischen Herkunft!). Und das Ende vom Kinder-Lied: Durch die in Schwingung versetzten Bass-Saiten werden die Viren in die Atmosphäre katapultiert, so dass alle nicht-asiatischen Passanten im Umkreis vom Tode bedroht sind. Während alle Welt glaubt, der Angriff der Chinesen käme als Cyber-Attacke über das 5G-Mobilfunknetz, verbreiten drei als harmlose Straßenmusiker getarnte Agenten Chinas todbringenden Gruß über den Erdball. Das werde ich mit meinen Kindern niemals besingen! Wie harmlos nimmt sich dagegen die Omi im Hühnerstall aus! Szenenwechsel: Ich hatte neulich die Gelegenheit, an einer Vater-Kind-Kur teilzunehmen. Im Eingangsbereich der Kurklinik wurde freies WLAN feilgeboten. Er war übersät mit Kindern im Alter von 6-16, die auf die Displays ihrer Smartphones starrten. Aber dann sah ich die überall angebrachten Warnschilder: Achtung Magen-Darm-Virus! Bitte benutzen Sie keine öffentlichen Toiletten! Desinfizieren Sie vor dem Betreten des Speisesaals Ihre Hände! Und nachher auch! Da war sie wieder, die China-Taktik: Man befürchtet das Digitale, aber analog haut‘s einem die Gedärme weg! Und die Taktik ging auf: Während ich vom Küchenpersonal eingewiesen wurde, wie man sich im Speisesaal zu verhalten habe (Keine Kinder allein am Buffet!), sah ich die Kleinen schon am Buffet toben, mit ihren viral verseuchten Händchen im Salat patschen, am Brot herumgrabbeln, auf die Käse- und Aufschnittplatten husten. Der durchtriebenste Angreifer des Saales: der kleine Milan, den ich anfangs für süß hielt, weil er meinen Sohn umarmte … bis ich gewahr wurde, dass er ihn würgte. Anderntags stürmt derselbe Milan mit einem halben Leberwurstbrötchen hinter anderen Kindern her, um es ihnen in die Haare zu schmieren. Der ganze riesige Saal angefüllt mit unzähligen winzigen Milans! Da wurde mir schlagartig deutlich: Es mag ‚schräge‘ Lieder geben oder gefährliche Viren. Aber die größte Gefahr droht der Menschheit, wenn sie sich nicht mehr um die Erziehung ihrer Kinder kümmert.

Pädagogische Grüße

Ihr Uwe Depping

 

 (Glosse 3/20)