Jeden Monat verfasst Uwe Depping exklusiv für den HAKEN eine Glosse zu einem aktuellen Thema

oder einem, das ihm unter den Nägeln brennt.

Steckbrief

Name: Uwe Depping
Alter: im Besten
Familienstand: unverheiratet, zwei Töchter, ein Sohn
Beruf: Besserwisser (also Lehrer); nebenberufl. als WIDERHAKEN tätig
Wenn ich mal gerade nichts besser zu wissen habe: Sport, lesen, schreiben, fernsehen
Lieblingsessen: alles Mögliche aus dem Meer (nur kein Plastikmüll)
Lieblingsgetränk: Radler (aber ohne diese Limonade)

Viel Spaß beim Lesen des WIDERHAKEN der aktuellen Ausgabe!

Ich bin doch immer wieder erstaunt, liebe Leserinnen und Leser …

… ich bin immer wieder erstaunt über die Weisheit des Schulministeriums. Anfänglich, also zu Beginn des Schuljahres, dachte ich noch: Wie kommen die Kolleginnen und Kollegen, die die Themen für das Zentralabitur auswählen, nur auf diese bescheuerte Idee, Lessings „Nathan der Weise“ in den Kanon aufzunehmen? Kriegen die nicht mit, dass Texte deutscher Klassiker mittlerweile größere Verständnisschwierigkeiten für Schüler scha en als ein fremdsprachlicher Text? Doch dann lese ich letzte Woche im Heimatblatt: „Runder Tisch der Religionen vor Neuau age.“ In dem Artikel wird ein Vertreter der Islamischen Gemeinscha Hagen zitiert mit den Worten: „Im Grunde stammen wir alle vom selben Vater ab.“ Wahnsinn, durchfuhr es mich da, mal eben die Aussage von Lessings religiösem Toleranz-Drama, durch dessen 150 Reclam-Seiten sich die diesjährigen Abiturienten quälen mussten, in einem Satz auf den Punkt gebracht! Und dieses Mal nicht durch Nathan, den Juden, sondern durch Abdullah, den Moslem! Und der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises bekrä igt ebenfalls, dass es Zeit wäre, sich an den runden Tisch zu setzen, da es genügend Themen gäbe, die alle Religionen vereinten, zum Beispiel die Bewahrung der Schöpfung angesichts des Kli- mawandels. Vertreter aller Religionen betonen, dass es ja schon immer Bemühungen um gegenseitige Annäherung gegeben habe. So hätten beispielsweise Vertreter musli- mischer Kulturvereine Andersgläubige zum gemeinsamen Fastenbrechen während des Ramadan eingeladen. Masallah! Ich habe mich auch schon immer gefragt, was das soll … den ganzen Tag über Askese … und abends, nach Einbruch der Dunkelheit, Völlerei, bis der Arzt kommt. Die christliche Art des Fastens – zum Beispiel von Aschermittwoch bis Ostersonntag keinen Alkohol – nde ich genauso fragwürdig. Die Brauerei-Branche ist durch den Anstieg der Rohsto -Preise doch schon genug gebeutelt. Aber ich schwei- fe ab! Runder Tisch der Religionen war das Thema. Meine Neugierde ist auf jeden Fall geweckt. Ich kenne ja die Haltung von Kardinälen, Päpsten etc. Wie aber denken Rabbis und Imame über sexuellen Missbrauch von Minderjährigen … durch Rabbis und Imame? Oder machen Juden und Muslime so etwas nicht? Und wie gehen Rabbis und Imame damit um, wenn einer der ihrigen eine halbe Millionen Euro Spielschulden hat? Spannende Fragen! Aber das wirklich Schöne an einem solchen runden Tisch der Religionen wäre doch: Er macht deutlich, wer nicht mit dransitzen darf! Nämlich der, der Religion für „Opium für‘s Volk“ hält! Und der setzt ja momentan alles daran, der restlichen Welt als Teufel zu erscheinen!

Einen runden … äh … schönen Mai wünscht

Ihr Uwe Depping