Jeden Monat verfasst Uwe Depping exklusiv für den HAKEN eine Glosse zu einem aktuellen Thema

oder einem, das ihm unter den Nägeln brennt.

Steckbrief

Name: Uwe Depping
Alter: im Besten
Familienstand: unverheiratet, zwei Töchter, ein Sohn
Beruf: Besserwisser (also Lehrer); nebenberufl. als WIDERHAKEN tätig
Wenn ich mal gerade nichts besser zu wissen habe: Sport, lesen, schreiben, fernsehen
Lieblingsessen: alles Mögliche aus dem Meer (nur kein Plastikmüll)
Lieblingsgetränk: Radler (aber ohne diese Limonade)

Viel Spaß beim Lesen des WIDERHAKEN der aktuellen Ausgabe!

Mögen Sie …

… liebe Leserinnen und Leser …


… d ganz zeitgemäß sollten das Kirschen sein, die an Bäumen hingen, die niemals mit Pestiziden in Kontakt gekommen sind, und auch nicht aus irgendwelchen südeuropäischen Monokulturen stammen, in denen versklavte Flüchtlinge für den sprichwörtlichen Apfel und ein Ei in glühender Hitze schuften müssen und die dann ein paar Tausend Kilometer in Dieselabgas spuckenden LKW oder gar Kerosin schluckenden Transportflugzeugen zu uns kommen. Also die Garten-Kirsche aus dem Hagener Raum oder dem Ennepe-Ruhr-Kreis! Leider verfügt mein Garten über keinen Kirschbaum und aus Nachbars Garten zu naschen, lehne ich aus ethischen Gründen ab. Ich möchte Ihnen nun eine Geschichte erzählen, die in jedem Detail der Wahrheit entspricht … so wahr mir Gott helfe! Letztes Wochenende habe ich mit meinem Sohn – knapp drei Jahre alt – eine Wanderung unternommen, die uns, um nicht an einer befahrenen Straße entlang gehen zu müssen, durch die Kleingartenanlage „Volmeburg“ im Hagener Süden führte. Seinem Alter entsprechend blieb mein Sohn an fast jedem Grashalm stehen und stellte die gefürchtete Frage: „Papa, was ist das?“ Und nun zeigte er dabei auf einen kleinen Baum, der einige rote Kirschen trug. Die Äste waren ziemlich verbogen und er sah insgesamt recht ramponiert aus, da die Besitzer sein Blattwerk in ein grünes Netz gezwängt hatten. Ich erklärte meinem Sohn, dass es sich hierbei um einen Kirschbaum handeln würde, über den ein Netz gespannt worden sei, damit die Früchte von den Besitzern geerntet werden könnten und nicht etwa von den Vögeln gefressen würden. Er hörte andächtig zu und wir setzten unseren Weg weiter fort. Nach einigen Metern kamen wir an einem anderen Garten vorüber, in welchem ein großer Kirschbaum stand, der an seinen üppigen Zweigen eine Vielzahl an Früchten trug. An ihn war eine Leiter gelehnt, auf der eine ältere Dame stand und Kirschen pflückte. Ich grüßte, und, zu meinem Sohn gewandt, fragte die Dame, ob er eine Handvoll Kirschen möge. Ich schilderte ihr, was wir ein paar Gärten zuvor gesehen hätten, und fragte sie, warum sie nicht ihre Früchte mit einem Netz schützen würde. Darauf entgegnete sie nahezu wörtlich: „Ich teile meine Kirschen mit den Vögeln. Es ist für alle genug da. Und außerdem habe ich in solchen Netzen schon unzählige Vögel verenden sehen. Das muss doch nicht sein.“ Mein Sohn verstand die Antwort der Dame natürlich noch nicht. Aber die Kirschen haben ihm vorzüglich geschmeckt. Die Deutung dieses Textes überlasse ich Ihnen, liebe Leser. Aber so viel sei verraten: Er richtet sich nicht ausschließlich an Kirschen-Liebhaber!


Einen schönen Juli wünscht

Ihr Uwe Depping

 

 (Glosse 7/19)