„Endlich, liebe Leserinnen und Leser …“

„… endlich naht der Sommer. Und mit ihm auch die Sommerferien. Und die Langeweile. Langeweile zumindest für die Kinder, die nichts mit sich anzufangen wissen. Wenn wir nicht die Rolle des Freizeitmanagers (heute Zoo, morgen Vergnügungspark, übermorgen Freibad etc.) übernehmen wollen, spüren wir recht bald den Wunsch, die Schule möge so schnell wie möglich wieder anfangen, damit wir uns nicht Tag für Tag mit dem „mir ist so langweilig“ tyrannisieren lassen müssen. Man könnte den Kleinen natürlich rechtzeitig vor den Ferien das neueste Smartphone schenken. Dann wäre Ruhe. Aber wer pädagogisch verantwortlich handelt, wird andere Lösungen suchen. Deshalb wage ich einen Vorschlag, der vielleicht aberwitzig klingt. Schenken Sie doch mal wieder ein Buch. Zur Erinnerung für die Kleinen: Buch … das sind diese vielen zwischen zwei Pappdeckel gequetschten bedruckten Papierseiten … und so sehr man auch mit dem Zeigefinger über eine Seite wischt … es passiert nichts. Man muss sich schon die Mühe machen, die Seiten umzublättern. Wenn Sie Ihrem Kind diese Mühe zumuten wollen, greifen Sie also zu Büchern, am besten zu den Klassikern der Kinderliteratur, denn diese sind nicht nur spannend, sondern auch von einer ungeahnten Aktualität. Wer hätte damals ahnen können, dass die Ankunft eines farbigen Kindes in einem lebensbedrohlichen Transportmittel auf Lummerland heute zu einem Thema geworden ist, das Europa an die Grenzen seiner politischen Handlungsfähigkeit bringt? Und wer erkennt nicht augenblicklich diese Orbans, Le Pens und Konsorten hinter König-Alfons-dem-Viertelvorzwölften, wenn dieser deutlich macht, dass für den kleinen Jim kein Platz auf Lummerland sei? Oder greifen Sie zu „Kleiner König Kalle Wirsch“. Dieser sympathische kleine König soll von seinem großmäuligen Widersacher gestürzt werden. Und dieser Widersacher heißt … Zoppo Trump! Trump!!! Mit seiner engsten Vertrauten, einer rotäugigen Ratte, heckt er all die Intrigen aus, die den kleinen König zu Fall bringen sollen. Ob es sich dabei um eine russische Ratte handelt, ließ die Autorin uns leider nicht wissen. Dass es in Kinderbüchern oft wundersam zugeht, erfahren wir am Beispiel der süßen kleinen Alice, die sich im Wunderland über alles Mögliche wundert. In ähnlicher Intensität mag sich ihre nicht ganz so süße Namenskollegin über die richterliche Auffassung gewundert haben, dass es in Ordnung sei, sie als „Nazi-Schlampe“ zu bezeichnen. Zumindest, wenn man es satirisch meint. Und wer sich wundert, egal ob Kind oder schon erwachsen, hat die Chance, etwas zu verändern.
Also, liebe (Groß)eltern, schenken Sie Ihren Kleinen für die Ferien ein Buch und achten Sie darauf, ob ein Wunder geschieht!

Ihr Uwe Depping

 (Glosse 6/17)