„Spürt die Bäu‘rin Liebesschmerz“,

liebe Leserinnen und Leser …

„… spürt die Bäu‘rin Liebesschmerz, weiß der Bauer, nun ist März. Der Bauer spannt die Rösslein an. Die Bäuerin bleibt ohne Mann!“ Und mit eben dieser Sehnsucht, mit der die Bäuerin die Rückkehr des auf dem Felde schwitzenden Gatten erwartet, warte ich auf das Erscheinen eines Politikers, der Rückgrat hat, aktuelle Missstände anprangert und nicht gleich vor lauthals krakeelenden Lobbyisten einknickt. So geschehen mit unserer Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD)! Sie hatte versucht, in einer recht originellen Art und Weise mit neuen Bauernregeln (z. B.: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“) auf die vielen Missstände in der Agrarwirtschaft hinzuweisen. Das ist ihr allerdings schlecht bekommen. Denn augenblicklich ging ein Aufschrei des Entsetzens durch den Deutschen Bauernverband, sie würde den gesamten Berufsstand der Landwirte diffamieren. Ihr Kollege, der Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU), forderte gar, sie möge diese Kampagne unverzüglich stoppen und sich bei den Bauern entschuldigen. Eine Entschuldigung dafür, dass sie mutig die katastrophalen Zustände in deutschen Tiermastbetrieben anspricht! Dieser Forderung ist sie leider nachgekommen. An den von Hendricks benannten Fakten ändert das allerdings nichts. Es wird nur deutlich: „Sitzt der Bauer warm im Speck, interessiert ihn Tierschutz einen Dreck!“ Spontan fallen mir dazu etliche Beispiele ein. Die gängige Praxis bei der Eier-Produktion – ja, auch die von sogenannten Bio-Höfen –, die männlichen Küken direkt nach dem Schlüpfen zu schreddern oder zu vergasen, ist ungeheuerlich. Deswegen, ihr Eier-Bauern: „Killt der Bauer alle Hähnchen, weint die Henne viele Tränchen!“ Und wo wir schon bei Eiern sind: Das Fleisch des Ebers könnte aufgrund seiner Hormone eventuell nicht so schmackhaft werden wie das der Sau. Gängige Praxis: dem männlichen Ferkel unmittelbar nach der Geburt die Geschlechtsorgane herausschneiden! Ohne Betäubung!!! Deswegen, ihr Schweine-Bauern: „Klaut der Bauer ihm die Hoden, fällt das Schwein vor Schmerz zu Boden!“ Und für alle Rindfleisch-Liebhaber: „Es schmeckt das Steak der Monika, das Rind kriegt Anabolika!“ Mittlerweile heißt es aus dem Bundesumweltministerium, dass Frau Hendricks Gästen nur noch vegetarische Kost anbieten möchte. Auch dagegen tönt der bereits oben erwähnte Kollege des CSU, der nicht nur Landwirtschafts-, sondern auch Ernährungsminister ist und sich für das Verbot für Fleischnamen bei Ersatzprodukten (etwa „vegetarisches Schnitzel“) und für eine Schweinefleischpflicht an deutschen Schulen ausspricht. Wir dürfen gespannt sein, ob die Ministerin dieses Mal durchhält.
Ihnen solange einen Guten Appetit

Ihr Uwe Depping

 (Glosse 3/17)