Jeden Monat verfasst Uwe Depping exklusiv für den HAKEN eine Glosse zu einem aktuellen Thema

oder einem, das ihm unter den Nägeln brennt.

uwe-depping-097

Steckbrief

Name: Uwe Depping
Alter: im Besten
Familienstand: unverheiratet, zwei Töchter, ein Sohn
Beruf: Besserwisser (also Lehrer); nebenberufl. als WIDERHAKEN tätig
Wenn ich mal gerade nichts besser zu wissen habe: Sport, lesen, schreiben, fernsehen
Lieblingsessen: alles Mögliche aus dem Meer (nur kein Plastikmüll)
Lieblingsgetränk: Radler (aber ohne diese Limonade)

Viel Spaß beim Lesen des WIDERHAKEN der aktuellen Ausgabe!

„Die Discounter,

liebe Leserinnen und Leser …“


… die Discounter zeigen uns mit ihrem Sortiment seit Wochen mehr als deutlich, dass Weihnachten schon wieder kurz vor der Tür steht. In allen Regalen locken die Dominosteine und Zimtsterne, auch wenn das innere Gefühl noch gar nicht auf Weihnachten eingestellt ist. Das innere Gefühl? Wo sitzt das eigentlich bei Ihnen, das innere Gefühl? Im Kopf … nahe bei den Gedanken? Oder im Brustraum … in der Nähe des pulsierenden Herzens? Oder noch tiefer … das berühmte Bauchgefühl? Solche Fragen sind für Sergio Canavero,
den italienischen Superstar unter den Neuro-Chirurgen, der im Dezember die erste Kopf-Transplantation am Menschen durchführen möchte, von sekundärer Bedeutung. Ihn beschäftigen die Fragen, wie man den Patienten so weit herunterkühlt, dass die Blutzirkulation verlangsamt wird, oder wie man das Rückenmark so sauber durchtrennt, dass alter Kopf passgenau mit neuem Körper zusammengefügt werden kann. Bei Tieren hat das ja schließlich auch schon einmal geklappt – wobei die Tiere zwar gelähmt blieben (ist ja doch nicht so einfach, die Sache mit dem verflixten Rückenmark) und maximal drei Tage überlebten. Wenn das nun auch Signore Canavero gelingen würde und er, wie angekündigt, am 17.12. seine OP durchführt, würde der Patient nicht einmal den vierten Advent (dieses Jahr zeitgleich Heiligabend) erleben. Es sei denn, sie würde glücklicher verlaufen als bei den Tierversuchen. Und dann hätten wir ein neues Wunder. Das alte Weihnachtswunder – die jungfräuliche Geburt – ist ja längst keines mehr mehr. Man hat heute die Möglichkeit, menschliches Leben in vitrio – im Reagenzglas – zu erzeugen. Die befruchtete Eizelle wird irgendwo implantiert … am besten in die Gebärmutter einer Leihmutter … dann hat man auch später keine Probleme mit den Schwangerschaftsstreifen. Wenn diese Operation also gelänge, hätten wir endlich wieder ein Wunder. Und die alte Aussage Nietzsches würde sich bewahrheiten: Gott ist tot! Stattdessen: Es lebe Signore Canavero! Endlich hätte einer der „Halbgötter in Weiß“ den Gipfel des Olymp erklommen.
Aber ich weiß nicht, liebe Leser: Vom Gefühl her gefällt mir ein kleines Baby in einer Krippe als Gottes-Sohn viel besser als ein erwachsener Mensch mit einer Narbe rund um den Hals. Das erinnert doch irgendwie an Frankenstein. Aber das ist vielleicht auch wieder nur so ein inneres Gefühl. Und wer weiß schon, wo die Gefühle sitzen!
Eine schöne gefühlsintensive Vorweihnachtszeit wünscht

 

Ihr Uwe Depping

 (Glosse 11/17)