Jeden Monat verfasst Uwe Depping exklusiv für den HAKEN eine Glosse zu einem aktuellen Thema

oder einem, das ihm unter den Nägeln brennt.

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Steckbrief

Name: Uwe Depping
Alter: im Besten
Familienstand: unverheiratet, zwei Töchter, ein Sohn
Beruf: Besserwisser (also Lehrer); nebenberufl. als WIDERHAKEN tätig
Wenn ich mal gerade nichts besser zu wissen habe: Sport, lesen, schreiben, fernsehen
Lieblingsessen: alles Mögliche aus dem Meer (nur kein Plastikmüll)
Lieblingsgetränk: Radler (aber ohne diese Limonade)

Viel Spaß beim Lesen des WIDERHAKEN der aktuellen Ausgabe!

 

„Geschafft,

liebe Leserinnen und Leser …“


… ein anstrengender Wahlkampf liegt hinter uns. Endlich können sich unsere Politiker aus den Fernseh-Shows zurückziehen und das tun, was sie seit Anbeginn ihrer Existenz am besten können: nämlich das machen, was sie wollen! Ohne den Wählern lästige Versprechungen geben zu müssen, die dann eh‘ nicht eingehalten werden. Aber spannend war ja sowieso nicht, was gesagt wurde. Spannend an diesem Wahlkampf fand ich die Motive mancher Plakate. Als Zeitzeuge des kometenhaften Aufstiegs von Alice Schwarzer hätte ich es nie für möglich gehalten, dass eine Partei mit drei Bikini-Mädchen-Pos in den Wahlkampf zieht. Spannend auch, dass man erfahren konnte, welche historischen Persönlichkeiten welche Partei gewählt hätten. So erfuhr man, dass Sophie Scholl, die berühmte Widerstandskämpferin gegen das Hitler-Regime, die AfD gewählt hätte … zumindest erfuhr man es so lange, bis dieses unsägliche Plakat verboten wurde. Große Aufregung gab es auch bei der Evangelischen Kirche, als ein Plakat verriet, dass Martin Luther nicht anders gekonnt hätte, als die NPD zu wählen. Also bitte! Gerade Martin Luther – die meistgekaufte Playmobil-Figur des Jahres 2017! Und gerade im Luther-Jahr! Da wollen wir doch lieber den Hammer schwingenden Theologen feiern, der am 31.10.1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg nagelte. Was natürlich heute kein Historiker mehr glaubt! Aber die Vorstellung ist so schön. Da wollen wir keine Verbindung zwischen Luther und der NPD haben. Dass Luther einer der größten Antisemiten der deutschen Geschichte war, der evangelischen Fürsten empfahl, Synagogen und jüdische Häuser niederzubrennen, der am liebsten Juden eigenhändig erwürgt hätte … das kann man ja mal zu einem späteren Zeitpunkt thematisieren, nach dem Luther-Jahr. Und außerdem … das Vorgehen der NPD ist doch inkonsequent, ja feige. Vielleicht lesen wir ja in vier Jahren – falls es die Partei dann noch gibt – Plakate wie „Hitler hätte die NPD gewählt … wenn er nicht gerade damit beschäftigt gewesen wäre, die NSDAP zu gründen.“ Andere Parteien könnten sich diese Taktik zueigen machen. Robin Hood, der Mann aus dem Sherwood Forrest, hätte mit Sicherheit die Grünen gewählt. Der große Freiheitskämpfer Che Guevara bestimmt die Freien Demokraten, Marx und Engels natürlich die Linken. Nur bei Jesus bin ich mir nicht ganz sicher. Hätte Christus christdemokratisch oder christsozial gewählt? Jesus Hand in Hand mit Seehofer über den See Genezareth wandelnd! Welch ein Plakat-Motiv! Dem seit zwei Jahrtausenden dreier-koalitions-erprobten Jesus (Vater, Sohn, Geist) wäre es wohl letztendlich auch wurscht, ob CDU oder CSU. Ich bin schon sooo gespannt auf die nächste Wahl!

 

Ihr Uwe Depping

 (Glosse 10/17)